Ein Interview mit Rudi Berli, Uniterre

Wo kommt das Palmöl her?

Indonesien ist der weltweit größte Produzent von Palmöl. Doch die meisten Importe beziehen wir von Malaysia (22%), den Salomonen (22%) und Papa-Neuguinea (15%). Schwindend klein hingegen ist der Anteil von Indonesien mit 1%. Dafür stammen 15% der Importe aus nichtproduzierenden Länder wie Deutschland, Spanien und Holland. Hier fehlt eine klare Deklaration. Stark zunehmend sind die Importe aus den ärmsten Entwicklungsländern (PMA) von 11% im 2008 auf 44% im 2018. Damit heizt der zollfreie Import die Nachfrage zusätzlich an. Hier wird das Ziel Rohstoffe möglichst ungehindert und zum günstigsten Preis zu beschaffen umgesetzt. Mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt – zum einzigen Nutzen der Agroindustrie.

Wie weit ist der Preis entscheidend?

Wir müssen die einheimische Ölsaatenproduktion erhalten. Die Produzentenpreise dürfen deshalb nicht weiter fallen. Beim Raps ist der Erzeugerpreis von 90 Fr pro Dezitonne im Jahr 2013 (dt = 100kg) auf 75 Fr/dt im Jahr 2018 gesunken. Ein kostendeckender Preis für Raps sollte bei 180 Fr/dt im konventionellen Anbau liegen. Der Preis für Palmöl vor Zollabgaben beträgt 1,32 Fr/L (2018) und 2,58 /LFr nach Zollabgaben. Es ist daher schon heute billiger als Raps- und Sonnenblumenöl.
Die im Abkommen mit Indonesien festgehaltene durchschnittliche Zollsenkung von 35% entspricht etwa 40 Rp./L. Das heisst, dass der Druck auf die inländische Produktion massiv verstärkt wird.
Das Einfuhrkontingent mit Zollvergünstigung, soll schrittweise von 10 000 t auf 12 500 t erhöht werden. Dabei soll die Lieferung in 22t-Tanks sichern, dass die Rückverfolgbarkeit der Ware gewährleistet ist. Die Zollpräferenzen gelten nur für Palmöl aus sogenannt „nachhaltiger Produktion“. Der Hohn ist, dass es keine wirkliche Kontrolle für die Einhaltung dieser Nachhaltigkeitskriterien gibt.

Wie sieht der Ölmarkt aktuell in der Schweiz aus?

Die Schweiz hat bei den Ölsaaten einen Selbstversorgungsgrad von 35%. Es ist ökologisch und volkswirtschaftlich sinnvoll, dass dieses inländische Produktionsniveau erhalten bleibt. Importe aus nachhaltiger Landwirtschaft aus dem benachbarten Europa sollen den Bedarf ergänzen. Beim Speiseölverbrauch steht Palmöl bereits heute mit 16% an dritter Stelle, nach Sonnenblumen- (31%), Raps- (28%) und Olivenöl (10%) Das billigere Palmöl eroberte sich in den letzten 20 Jahren auf Kosten des Sonnenblumenöls einen grossen Anteil. Bei einem Gesamtverbrauch von 148.000 Tonnen im 2018, wurden 111.634 Tonnen Pflanzenöle für die menschliche Ernährung importiert. Nach dem Sonnenblumenöl mit 41.663 Tonnen (Anteil 37%), steht Palmöl mit einem Importvolumen von 24.272 Tonnen (22%), an zweiter Stelle vor dem Olivenöl mit 14.757 Tonnen.

*Quellen: Marktanalyse BLW
https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/markt/marktbeobachtung/oelsaaten.html